Ihr Weg nach Burgdorf

von:
am:
um:
##leer##
##leer##
Aktuelles

Real setzt wieder auf riesige Vorstadt-Warenhäuser

Seit einiger Zeit kehrt der Einzelhandel in die Stadt zurück

Väter, die mit ihren Kombis für den Wocheneinkauf in die Vorstadt fahren: Das war einmal. Seit einiger Zeit kehrt der Einzelhandel in die Stadt zurück. Doch Real stemmt sich jetzt gegen den Trend.


Von Korrespondent Handel und Konsumgüter

Viele Handelsexperten sind sich einig: Die große Zeit der riesigen SB-Warenhäuser auf der grünen Wiese ist vorbei. Doch der Düsseldorfer Handelskonzern Metro, Mutterfirma der Warenhaus-Kette Real, stemmt sich gegen den Trend und plant eine umfassende Modernisierung seiner Tochter. In den kommenden Jahren werde Metro weiter in das Geschäftsmodell investieren, kündigte Vorstandschef Olaf Koch an. In der Branche ist von einem insgesamt dreistelligen Millionenbetrag die Rede.

In den autoverliebten Jahrzehnten vor der Jahrtausendwende wurden neue Einzelhandelsprojekte in Deutschland überwiegend am Stadtrand realisiert, wo die Pachten niedrig und die Parkplätze groß sind. Doch der Trend hat sich gedreht. "Seit einigen Jahren hat eine Umkehr stattgefunden", heißt es beispielsweise in der Studie des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWA. "Der Einzelhandel kehrt von der grünen Wiese und vom Stadtrand wieder in die Städte zurück."

Auch nach Einschätzung von Michael Gerling, Chef des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI, stehen die Geschäfte auf der grünen Wiese stehen ganz besonders unter Druck: "Die Kunden bleiben mittlerweile wieder lieber in der Stadt." Zu ähnlichen Ergebnissen kamen die Marktforscher von der Nürnberger GfK.

Metro pfeift nun auf diese Erkenntnisse. Der Konzern gab am Freitag bekannt, den Firmenwert von Real in der Bilanz mit einem Schlag um 450 Millionen Euro nach unten zu korrigieren. Damit schaffe Finanzchef Mark Frese eine "solide bilanzielle Grundlage" für die Neuausrichtung. Will sagen: Das Real-Management hat jetzt genug Freiraum, Geld für Umbau und Modernisierung zu investieren, ohne dass die Ertragskennziffern immer wieder kleinere Abschreibungen auf den Firmenwert drohen.

Wochenendeinkauf mit dem Kombi

Das Real-Konzept ist typisch für die Zeit, in der Familienväter mit ihren Kombis in die Vorstädte fuhren, um den Wocheneinkauf unter einem Dach zu erledigen. Real-Märkte sind zwischen 5000 und 15.000 Quadratmeter groß und bieten bis zu 80.000 Artikel, darunter neben Lebensmittel auch Elektronik, Haushaltswaren und Bekleidung. Doch die Begeisterung der Kunden hielt sich immer mehr in Grenzen, zumal die Häuser veralteten.

Auch im Ende September 2014 abgelaufenen Geschäftsjahr musste Real Federn lassen. In Deutschland sank der Umsatz weiter um 1,3 Prozent auf knapp acht Milliarden Euro. Zudem leidet das Geschäft unter chronischer Ertragsschwäche. Von je hundert Euro Umsatz lieferte Real bei der Mutterfirma nach Abzug der Kosten gerade mal ein Euro also operativen Gewinn ab, von dem dann noch Steuern und Zinsen abgehen.

Doch nun glaubt der Metro-Vorstand ein Rezept gegen Umsatz- und Gewinnschwund gefunden zu haben. Zum einen hat der die schwächsten Standorte aussortiert und 16 Filialen dicht gemacht. Die übrigen gut 300 sollen nach und nach umgestellt werden. Die Blaupause lieferte ein SB-Warenhaus von Real in Essen, in dem die Manager versuchen, wieder stärker an moderne Einkaufstrends anzuknüpfen. Für Bio und regionale Lebensmittel gibt es beispielsweise eigene Ecken, handgeschriebene Schilder sollen Assoziationen an den Wochenmarkt wecken.

50 Filialen sind inzwischen umgebaut

Nun hofft Koch, dass das Rezept wirkt. Das Essener Haus habe im ersten Halbjahr nach der Eröffnung 25 Prozent mehr Kunden angezogen und 15 Prozent mehr Umsatz gemacht, heißt es im jüngsten Geschäftsbericht. Insgesamt 50 Filialen seien inzwischen umgebaut und zeigten "positive Dynamik", wie der Chef Mitte Dezember verkündete. Nun soll die Abschreibung den Weg für den Umbau der übrigen frei machen.

24.04.2015 17:36:54 33,25 EUR +1,07% Chart Kursdetails auf

Metro will am 5. Mai den nächsten Zwischenbericht vorlegen. Die Wertkorrektor bei Real werde auf den prognostizierten Gewinn vor Steuern und Zinsen von knapp 1,73 Milliarden Euro keinen Einfluss haben, versicherte Frese – was sich eigentlich von selbst versteht, denn die von Metro genannte Zahl umfasst derartige Sondereinflüsse ohnehin nicht. Auch beim Nettogewinn könnte Metro seine Versprechungen sogar halten, falls der Vorstand es schafft, den angekündigten Verkauf einer Tochterfirma in Vietnam rechtzeitig über die Bühne zu bringen. Der Erlös könnte das Real-Abschreibungsloch zumindest deutlich verkleinern.

Real steht derzeit noch mit gut einer Milliarde Euro in den Büchern der Metro. Der künftig nahezu halbierte Firmenwert dürfte der wirtschaftlichen Realität wesentlich näher kommen. Der Konzern hatte Ende der 90er-Jahre die beiden Rivalen Allkauf und Kriegbaum aufgekauft – und dabei kräftig draufgezahlt, wie Branchenkenner bald monierten.

Metro zahlte damals einen kräftigen strategischen Aufschlag, denn zu der Zeit suchte der US-Handelsriese Walmart intensiv Zugang zum deutschen Markt. Ein Vorhaben, das Metro um beinahe jeden Preis bremsen wollte. Walmart schaffte den Einstieg dennoch mit der Übernahme der Wertkauf-Kette, scheiterte ein paar Jahre später und verkaufte seine damals 85 deutschen Märkte im Sommer 2006 wieder – an Real.

 

Quelle:

http://www.welt.de/wirtschaft

Diese Seite wurde 9248 mal aufgerufen.

 

 

 

Real setzt wieder auf riesige Vorstadt-Warenhäuser

Online: 4  Heute: 9  Gestern: 185  Woche: 625  Monat: 3176  Jahr: 60552  Gesamt: 196545